• Laura Mörschburger

Ein Plädoyer - Warum die psychologische Grundbildung im Coaching entscheidend ist

Aktualisiert: 2. Juni 2020


Ich wurde letztens gefragt, weshalb ich eine psychologische Grundbildung im Coaching für sinnvoll halte. Dazu ein paar Gedanken.


In erster Linie ist natürlich eine entsprechende "Coachingausbildung wichtig. Diese sollte laut dem DBVC (deutscher Bundesverband Coaching e.V.) mindestens 150 Zeitstunden umfassen (darunter fällt nicht das Eigenstudium!) und mindestens über einen Zeitraum von 12 Monaten gehen. In dieser Ausbildung werden, zumal sie gut ist, entsprechende Kenntnisse und auch eine lösungsorientierte Grundhaltung vermittelt. Wenn die Ausbildung richtig gut ist, weist sie außerdem noch auf psychische Krankheitsbilder hin. Oft genug habe ich im Coaching schon Grenzfälle erlebt, bei denen es entscheidend war, diese an einen Theraputen zu verweisen. Und hier ist wird auch schon der erste Vorteil einer psychologischen Grundbildung sichtbar.


Zudem beruht Coaching auf den psychologischen Grundlagen der Kommunikation, Diagnostik, psychologischen Methoden und einer psychologischen Gesprächsführung. Um diese qualifiziert durchführen zu können ist ein entsprechendes Psychologie Studium von Vorteil. Anders kann der Coachingprozess auch als eine zielgerichtete, wissenschaftlich fundierte Intervention definiert werden, die auf berufliche und persönliche Ziele abzielt und hinterher evaluiert werden sollte. Und das sind eben Kernthemen des Psychologiestudiums. Denn damit eine Intervention funktioniert ist eine fundierte psychologische Diagnostik zentral.


Schau ich mich allerdings im Coaching Business um, so sehe ich viele selbsternannte Coaches, mit einer 5 Tagesausbildung oder lediglich "Lebenserfahrung". Viele Coachingausbildungen, die im Schnellverfahren gehen, basieren auf Tools und Techniken. Doch um individuell und flexible arbeiten zu können, bedarf es keinen bunt gemischten Methodenkoffer, sondern der eine tiefgehende Kenntniss von Theorien und Modellen (z. B. aus der Sozialpsychologie, der Entwicklungspsychologie, der Persönlichkeitspsychologie). Es geht darum diese Theorien zu verstehen, Studien dazu lesen, zu verstehen und richtig zu interpretieren. Das ist die Voraussetzung, um den eigenen Arbeitsstil gezielt weiterzuentwickeln. Der Coach muss in der Lage sein, die Diagnostik des Coachees, die Auswahl und Anwendung der richtigen Intervention und die Evaluation der gewählten Maßnahmen durchzuführen. Und Diagnostik ist eben eine Kernkompetenz von Psychologen. Und auch wenn Psychologie auf den ersten Blick "so leicht" verständlich wirkt, heißt es noch lange nicht, dass andere Berufsgruppen diese grundlegenden psychologischen Tätigkeiten genauso gut ausüben können. Ein Blick in die Praxis bestätigt das immer wieder. Hier wird gerne mit komplexen Modellen aus der Hirnforschung geworben. Doch auch wenn sich etwas wissenschaftlich anhört, bedeutet das (leider) noch lange nicht, dass Sachverstand dahinter steht. Vor allem bei komplexen Modellen aus der Hirnforschung, die in "Küchenpsychologie" umgewandelt wurden, stehen mir die Haare zu Berge.


Und trotzdem ist natürlich auch ein Psychologie-Studium kein Garant für ein gutes Coaching. Und ein fehlendes Psychologie Studium auch kein Ausschlusskriterium. Es gibt viele Coaches, die ohne psychologischen Hintergrund erfolgreich ihre Klienten unterstützen. Ausschlaggebend ist der Kontext, in den die Persönlichkeit, das Wissen und die Fähigkeiten des Coaches einfließen, sowie die Interaktion, die sich im Zusammenspiel mit dem Coachee ergibt. Ausschalggebend für die Wahl des Coache, ist natürlich auch das Anliegen.


Zu beachten ist sicher, dass dem Psychologen eher klar ist, weshalb und wie eine Intervention hilft. Und er somit seine Interventionen gezielter einsetzen kann. Denn nicht alles was hilft, setzt auch an der richtigen Stelle an. Anschaulich wird dies an sogenannten Großgruppenveranstaltungen, durchgeführt von sogenannten Persönlichkeitsentwicklungcoaches. Getragen von der Masse, verändert sich auch etwas. Allerdings nicht unbedingt das, was der Klient denkt. Die Euphorie, wurde nicht ausgelöst, weil Blockaden gelöst wurden, sondern von einem Gruppentrancephänomen. Dieses positive Gefühl ist nicht nachhaltig und lädt zur Wiederholung ein. Der Coachee fühlt sich in guten Händen und schwebt in Wirklichkeit im Nichts. Doch zwischen diesen Veranstaltungen und einem psychologischen Coaching gibt es ein Kontinuum, in dem sehr viele gute Kollegen arbeiten, die seriös und erfolgreiche Coachings durchführen und einen anderen Hintergrund haben. Ich denke auch, dass es viele Fälle gibt, in der die psychologische Vorbildung nicht unbedingt notwendig ist. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle Bethlehem zitieren, dass eine grundlegende Vorbildung die Voraussetzung für die Beherrschung psychologischen Fachwissens ist. Und für ihn die damit verbundene Fähigkeit zur flexiblen Entwicklung von Interventionsmethoden und zur Evaluation der eigenen Arbeit ist. Das ist der Unterschied zwischen Coaches und psychologischen Coaches – und damit das Alleinstellungs- und Qualitätsmerkmal der Letztgenannten.







Schlussfolgerung

Im Endeffekt, musst du dir überlegen, was für dich in einem Coaching wichtig ist. Meine Empfehlung ist es, zumindest die Ausbildung des Coaches als Qualitätskriterium heranzuziehen. Die psychologische Bildung finde ich im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung für ein positives Plus. Zudem rate ich Dir, vorher den Coach anzurufen und offene Fragen am Telefon zu klären, so bekommst du auch ein Gefühl, ob es zwischen Euch passt.

Quellen:

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