• Laura Mörschburger

Wie Introvision mit Selbstmitgefühl zusammenhängt.

Am Samstag, den 27. Juni referiere ich bei dem Symposium der Introvision Association über das Thema "Wer Selbstmitgefühl hat, leitet gelassener durchs Coaching  – Impulse für den Umgang mit sich selbst." Daher beschäftige ich mich aktuell mit Introvision und finde diese Technik unglaublich spannend und möchte dir davon erzählen.

Was ist Introvision?

Introvision ist eine Achtsamkeitstechnik, die es erlaub, tiefgreifende Blockaden und Glaubenssätze zu entkoppeln – etwa die Angst, abgelehnt zu werden oder zu versagen. Dehner & Dehner (2016) bezeichnen diese tiefer liegenden Glaubenssätze als sogenannte Alarme. Durch einen äußeren Trigger wird ein Alarm ausgelöst, der direkt auf dein limbisches System wirkt. Die Amygdala ist Teil des limbischen Systems und gehört zu den ganz früh entwickelten Gehirnbereichen (also der Teil, der dafür da ist, dass wir schnell genug auf einen Säbelzahntiger reagieren). Wenn wir sehr unangenehme bzw bedrohliche Situationen erleben, dann speichert sich das, unter Mitwirken der Amygdala, tief in unserem Erleben ein. Fühlen wir uns dann zum Teil auch erst Jahre später, an diese ursprüngliche Situation erinnert (das muss uns nicht einmal bewusst sein), fangen wir an automatisiert zu reagieren. Der Alarm blockiert somit Hirnareale und gute Performance kann dann nicht mehr abgerufen werden. 

Ein Beispiel dafür wäre diese typische Situation mit dem Kollegen, bei dem du dir immer wieder vorstellst, nein ich reagiere dieses mal überlegt und kaum bist du in der Situation triggert, es dich wieder. Introvision verspricht eben genau diese Alarme aufzulösen.


Aber wie funktioniert das?

Introvision basiert auf der langjährigen Forschungsarbeit von Wagner (2007), die diese an der Universität Hamburg entwickelt, empirisch untersucht und praktisch erprobt hat. Heruntergebrochen wird der Klient in einen Zustand der Achtsamkeit versetzt und dem Alarm in Form eines Imperativ (der als Trigger funktioniert) ausgesetzt. Im Endeffekt ähnlich der Exposure therapy.

Zusammengefasst handelt es sich also um folgende Schritte:

  1. Der Coach leitet den Klienten in einen Zustand des Konstatierende Aufmerksame Wahrnehmen (KAW) führen.

  2. Der Klient wird mit einem davor auf ein ihn abgestimmten Imperativ, der in vielen Fällen relativ rasch den Kern des Konflikts trifft, konfrontiert

  3. Dann wirkt durch die Anwendung des Konstatierende Aufmerksame Wahrnehmens die Löschung, der mit dem Kern des Konflikts gekoppelten automatischen Stressreaktion.

Dass Introvision zu schnellen Erfolgen führt, lässt sich mit zwei Faktoren erklären. Zum einen verbessert das intensive Üben des Konstatierenden Aufmerksamen Wahrnehmens die Wahrnehmungs- und Konzentrationsfähigkeit und führt gleichzeitig (in weniger belastenden Situationen) zu mentaler Entspannung. Zum zweiten lässt sich die Introvision im engeren Sinne dazu nutzen, jeweils gezielt zugrunde liegende Konflikte aufzuspüren und aufzulösen (Wagner, 2008, S. 139).

Es werden also die positiven Effekte von Achtsamkeit in Kombination mit dem Wirkmechanismus aus der Theorie der subjektiven Imperative genutzt.


Bei der Introvision ist eine absolute Präsenz für den Coach noch wichtiger - Denn nur, wenn die Haltung der Achtsamkeit stimmt, kann die Verarbeitung der Imperative stattfinden. Von daher ist Introvision eine Technik, die sehr hohe Anforderungen an den Coach stellt. Er muss zum einen selbst den Zustand des konstatierenden aufmerksamen Wahrnehmen beherrschen und zum anderen den Klienten in diesen Zustand der Achtsamkeit leiten und den Raum für den Klienten halten.


Den Zustand der absoluten Präsenz zu erreichen, funktioniert dann gut, wenn man in einer guten Verfassung ist. Und hier kommt das Thema self-compassion ins Spiel, denn es ist also besonders wichtig, dass der Coach sein eigenes Befinden durch eine konsequente Selbstfürsorge stabil hält. Self-compassion eignet sich besonders gut, denn es schult gleichzeitig die Achtsamkeit und sorgt dafür, dass das eigene Befinden sich steigert (siehe dazu meinen Blogartikel über Self compassion). Gerade in unsicheren Zeiten, kann der Coach davon für sich profitieren. Doch es gibt noch einen weiteren Faktor, der self-compassion für die Introvision interessant macht. So zeigt K. Neff mit den Worten "often, however, mindfulness alone is not enough to avoid getting trapped in depressed and anxiouse mind-states." (Neff, 2011, p.113), dass mindfulness alleine oft nicht ausreicht, um aus negativen Zuständen herauszukommen, aber durch die Ergänzung mit self-compassion dies dann doch gelingt. Diese ist so wirkungsvoll, da sie die Vorzüge der Achtsamkeit durch einen liebevollen freundschaftlichen Blick auf sich selbst ergänzt.



Leider biete ich selbst (noch) keine Introvision an. Falls Du neugierig bist, empfehle ich Dir einen Blick in die Introvisionsdatenbank der Introvision Association zu werfen.

Quellen und Buchtipps (sind verlinkt) :

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